Kromfohrländer

Kromfohrländer läuft über eine Wiese.

Wissenswertes

  • Herkunftsland: Deutschland
  • FCI-Standard: Nr. 192
  • Klassifikation: Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde / Sektion 10: Kromfohrländer / Ohne Arbeitsprüfung
  • Lebenserwartung: 12 – 15 Jahre
  • Verwendung: Begleithund
  • Andere Namen: Kromi
  • Besonderheiten: Es gibt den Kromfohrländer in den Varianten Rauhhaar und Glatthaar. Er ist eine der jüngsten Hunderassen Deutschlands.

Aussehen: Hübscher Hund mit Rauh- oder Glatthaar

  • Gewicht: Rüde 11 – 16 kg / Hündin 9 – 14 kg
  • Größe: 38 – 46 cm
  • Felllänge: Kurz, mittel oder lang
  • Fellstruktur: Rauhhar oder Glatthaar
  • Fellfarben: Weiße Grundfarbe am Körper mit rotbraunen bis dunkelbraunen Flecken oder Sattel. Braune Abzeichen über den Augen, an den Ohren sowie den Backen. Weiße Blesse am Kopf.
  • Körperbau: Der Kromfohrländer ist ein mittelgroßer Hund und dabei etwas länger als hoch.

Leicht rundlicher Kopf mit schwarzem oder braunem Nasenschwamm. Die Augen des Kromfohrländers sind oval, leicht schräg und von dunkelbrauner Farbe. Die dreieckigen Kippohren sind hoch und seitlich am Kopf angesetzt. Der Rücken sollte gerade verlaufen. Die Brust ist mäßig breit und tief. Die Bauchlinie nach hinten leicht aufgezogen. Der Kromfohrländer trägt seine Säbelrute in der Ruhe hängend und ruhig, während sie in der Bewegung über dem Rücken getragen wird.


Charakter: Anpassungsfähig, aber sensibel

  • lernfähig
  • misstrauisch gegenüber Fremden
  • temperamentvoll
  • anpassungsfähig
  • gutmütig
  • sensibel
  • unsicher
  • wenig Jagdtrieb
  • niedrige Reizschwelle

Im Kromfohrländer steckt Terrierblut. Die Stammhündin der Rasse namens Fiffi war nämlich eine waschechte Foxterrierhündin. Und die gelten bekanntlich als draufgängerische und selbstbewusste Jagdhunde mit viel Mut und Intelligenz. Auch wenn die Kromfohrländer nur noch wenig Jagdtrieb haben und schon immer als Begleithunde gezüchtet wurden, sollte der Terrieranteil nicht unterschätzt werden. Hie und da blitzt er womöglich noch ein wenig durch. Doch normalerweise sind Kromfohrländer leichtführige und lernwillige Hunde, die gern mit ihren Menschen zusammen arbeiten. Außerdem wird oft betont, wie sensibel, anhänglich und menschenbezogen die Vierbeiner sind. Sie binden sich sehr eng an ihren Lieblingsmenschen und ertragen Einsamkeit nur schwer. Zudem sind einige Rassevertreter unsicher und besitzen eine niedrige Reizschwelle.

Portrait eines Kromfohrländers.


Für wen ist der Kromfohrländer geeignet?

  • Geeignet für Anfänger: Jein
  • Eignung als Familienhund: Ja
  • Kinderfreundlich: Mittel
  • Für Senioren geeignet: Ja

Anpassungsfähig, wie der Kromfohrländer ist, eignet er sich für viele Familienkonstellationen. Er fühlt sich in einem Single- oder Pärchenhaushalt genauso wohl wie bei Senioren oder innerhalb einer Familie. Dennoch hat er meistens eine auserkorene Lieblingsperson, der er am liebsten überall hin folgen möchte. Dies macht ihn zu einem besonders tollen Begleiter für Singles. Sofern dem Kromfohrländer früh beigebracht wird, auch mal alleine zu bleiben. Denn dies fällt dem anhänglichen Hund mitunter etwas schwer.

Als Familienhund wird der Kromfohrländer mittlerweile immer beliebter, jedoch kann ihm ein lauter Haushalt mit kleineren Kindern durchaus auf das sensible Gemüt schlagen und seine Geduld auf die Probe stellen. Hier sollten dem Hund ruhige Rückzugsmöglichkeiten geboten werden, wo er fernab des Trubels abschalten kann. Bestenfalls sind Kinder im Haushalt bereits etwas älter.

Besuchen Freunde oder Fremde das Haus, reagiert die Rasse meist zurückhaltend bis misstrauisch. Da der Kromfohrländer territorial veranlagt ist, beäugt er Ankömmlinge immer erstmal mit Vorsicht.

Als Anfänger in der Hundehaltung sollte man eine gute Portion Durchsetzungsvermögen mitbringen und den Willen, den Kromfohrländer mit Geduld, Liebe und Konsequenz zu erziehen. Dabei hilft unterstützend eine gute Hundeschule.


Nachteile

  • Bedingt durch den kleinen Genpool und den hohen Inzuchtfaktor leidet die Kromfohrländer-Rasse unter einigen erblich bedingten Krankheiten. Mittlerweile gibt es Zuchtprogramme, um dem entgegenzuwirken. Bei der Züchterauswahl sollte dennoch gewissenhaft und vorsichtig vorgegangen werden.
  • Kromfohrländer neigen zum Bellen.
  • Ihr sensibles Wesen kann schnell zu Unsicherheiten führen. Der Hundehalter sollte hier Ruhe, Autorität sowie Führung ausstrahlen und gewährleisten.

Beschäftigung und Bewegungsdrang: Verspielt und sportlich

Temperament/Energielevel: mittel
Auslaufbedürfnis: mittel
Geeignete Sportarten: Agility, Obedience, Canicross, Flyball, Longieren, Frisbee
Verspieltheit: sehr

Die verspielte Rasse ist für jeden Spaß zu haben. Ob gemeinsame Spaziergänge oder Hundesport: Der Kromfohrländer ist mit Begeisterung dabei. Hauptsache, er darf Zeit mit seinem Menschen verbringen. Schöne, ausgedehnte Spaziergänge sind dabei ganz nach seinem Geschmack, er mag es aber auch gern ein wenig flotter. Wer gerne Hundesport mit seinem Vierbeiner betreiben möchte, liegt mit einem agilen Kromfohrländer richtig. Er eignet sich für viele Sparten und macht als Joggingpartner ebenfalls eine gute Figur. Auch neben dem Rad oder Pferd zu laufen ist für ihn eine leichte Übung.

Wer selbst keine Sportskanone ist, wird dennoch mit einem Rassevertreter glücklich. Solange er ausgedehnte Spaziergänge genießen darf, braucht der Kromfohrländer keine sportlichen Höchstleistungen, um zufrieden zu sein.

Junger Kromfohrländer läuft mit einem Spielseil im Maul über eine Wiese.


Haltungsbedingungen: Ist der Kromfohrländer ein Kläffer?

  • Geeignet für Wohnungshaltung: Ja
  • Stadteignung: Ja
  • Kann alleine bleiben: eher weniger
  • Verträglichkeit Artgenossen: mittel
  • Verträglichkeit andere Tiere: mittel
  • Bellfreudig: Ja

Hof, Haus oder Wohnung? Dem Kromfohrländer ist es egal. Solange er täglich ausreichend Beschäftigung erhält und viel Zeit mit seinem Menschen verbringen darf, kann er durchaus in einer kleineren Etagenwohnung gehalten werden. Wie alle Hunde schlafen und ruhen auch Kromfohrländer tagsüber viel und brauchen kein ausgefeiltes Beschäftigungsprogramm.

Bedenken solltest Du bei der Rasse jedoch die Bellfreudigkeit. Um später keinen Streit mit den Nachbarn heraufzubeschwören, solltest Du von Anfang an Bellen und Kläffen (kurzes Anschlagen ist hingegen okay) unterbinden. Was nämlich als Welpe noch putzig anmutet, ist später beim erwachsenen Hund einfach nur nervig.

Mit Artgenossen ist der Kromfohrländer bei guter Sozialisierung verträglich. Er hat jedoch von Natur aus eine eher niedrige Reizschwelle und kann bei gleichgeschlechtlichen Hunden zum Raufen neigen. Damit dies nicht in Aggression ausartet oder zu Leinenaggressivität führt, ist Hundeverstand und gutes Training nötig.

Beim Zusammenleben mit anderen Haustieren gibt es hingegen meist wenig Probleme, wenn diese bereits vor dem Kromfohrländer im Haushalt waren oder ihm tierische Neuankömmlinge als Welpe vorgestellt werden. Zwar hat die Rasse nur wenig Jagdtrieb, dennoch solltest Du Dich nicht darauf verlassen. Wie bereits erwähnt, fließt immer noch ein Anteil Terrierblut durch seinen Körper.


Pflege: Muss man einen Kromfohrländer trimmen?

  • Pflegeaufwand: gering bis mittel
  • Stärke des Sabberns: keine Neigung zum Sabbern
  • Stärke des Haarens: moderat
  • Besonderheiten: Je nach Felltyp (Rauhhar, Glatthaar) ist die Pflege unterschiedlich aufwendig.

Der glatthaarige Kromfohrländer ist überaus pflegeleicht. Einmal die Woche bürsten reicht bei ihm vollkommen aus. Ein bisschen anders gestaltet sich die Fellpflege hingegen beim rauhhaarigen Typ. Hier sollte ca. dreimal im Jahr getrimmt und gezupft werden, damit alte und lose Haare beseitigt werden und das Haarkleid gesund nachwachsen kann. Auf keinen Fall sollten glatthaarige oder rauhaarige Kromfohrländer geschoren werden. Ebenso wenig benötigten sie regelmäßige Bäder.

Genau wie bei allen anderen Rassen sollte jedoch die Maul- und Zahnpflege nicht vernachlässigt werden. Auch ein Blick in die Ohren schadet nicht und die Pfoten und Krallen müssen ab und an kontrolliert und bei Bedarf gereinigt und gekürzt werden. Dabei musst Du bitte auch auf die Haare zwischen den Pfotenballen achten. Sind diese zu lang, kannst Du sie mit einer abgerundeten Schere etwas kürzen.

Seitliches Profil eines Kromfohrländers.


Erziehung: Leicht zu erziehen, aber dennoch kein Anfängerhund

  • Geeignet als Ersthund: Jein
  • Leicht erziehbar: Ja
  • Gehorsam: Ja

Der Kromfohrländer ist Fremden gegenüber sehr misstrauisch. Dem kann mit einer frühen Sozialisierung entgegengewirkt werden. Als Welpe sollte er Menschen unterschiedlichen Alters kennenlernen und dabei lernen, dass er Begegnungen mit Unbekannten nicht selbständig regeln soll. Dies gilt sowohl unterwegs als auch daheim. Denn der wachsame Kromfohrländer meldet gern und lautstark Besucher – wenn man ihn lässt. Um sich keinen Kläffer heranzuziehen, sollte auch hier früh trainiert werden. Häufiges Türklingeln und regelmäßige Besucher helfen dabei. Solche Begegnungen können positiv belegt werden, zum Beispiel, indem Ankömmlinge kleine Leckereien für den Hund mitbringen.

Konsequenz ist wie immer das A und O bei der Hundeerziehung. Wer seinen Kromfohrländer geradlinig erzieht und einmal aufgestellte Regeln stets beachtet, der wird mit einem leichtführigen Hund belohnt. Denn der Kromfohrländer arbeitet gerne mit, ist leicht zu erziehen und folgsam. Dennoch ist er für Anfänger nur bedingt geeignet.


Gesundheit: Inzucht sorgt für einige erblich bedingte Krankheiten

  • Rassetypische Krankheiten: Epilepsie, Schilddrüsenunterfunktion, hereditäre Katarakt, Autoimmunkrankheiten,
  • Blutgerinnungsstörungen, Hyperkeratose, Arthrose, Cystinurie, Allergien, Herzerkrankungen.
  • Hitzeresistent: Ja
  • Kälteresistenz: Ja
  • Qualzucht? Nein
  • Besonderheiten: Um die Gesundheit der Rasse zu verbessern, wurde “Fremdblut” eingekreuzt.

Fiffi, Peter und einige daraus entstandene Würfe bilden die Basis für die gesamte Kromfohrländer-Zucht. Durch diesen Umstand ist der Genpool der Rasse schon immer sehr begrenzt gewesen und der Inzuchtkoeffizient hoch. Um dies zu ändern, gibt es Projekte zur Verbesserung der Kromfohrländer Gesundheit. Hier soll unter anderem Fremdblut eingekreuzt werden, um eine breitere genetische Basis zu schaffen. Um dies zu gewährleisten, kam beispielsweise der Dänisch-Schwedische Hofhund (bekannt auch als Dansk-Svensk Gardshund) im Zuchtverein “pro Kromfohrländer e.V.” zum Einsatz. Er ist dem Kromfohrländer hinsichtlich Körperbau und Aussehen recht ähnlich und bringt zudem eine lange Lebenserwartung, gute Gesundheit sowie einen ausgeglichenen Charakter mit. Andere Vereine im In- und Ausland wählten hingegen andere Rassen zur Verbesserung der Gesundheit. Darunter Pudel, Jack Russell Terrier oder auch Mischlinge, die dem Kromfohrländer in Statur, Fellbeschaffenheit und Temperament ähnlich sind.

Kromfohrländer mit heraushängender Zunge.


Geschichte: Wie die Rasse “zufällig” entstand

  • In den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts fand die Siegenerin Ilse Schleifenbaum einen streunenden Hund, den bei sich aufnahm und aufpäppelte. Dieser bekam den Namen Peter und deckte später die Foxterrierhündin Fiffi aus der Nachbarschaft. Es entstand ein recht einheitlicher Wurf Welpen. Die Hundekinder gefielen Ilse so gut, dass sie die Verpaarung noch einige Male wiederholte und mit den Elterntieren und Nachkommen schließlich eine eigene Rasse kreierte.
  • Schon wenige Jahre später (1955) wurde die Rasse vom VDH unter dem Namen Kromfohrländer anerkannt.
  • Im gleichen Jahr wird der “Rassezuchtverein der Kromfohrländer e.V.” gegründet.
  • Der Rassename leitet sich vom Tal “Krom Fohr” (Hochdeutsch “Krumme Furche”) ab, in dessen Nähe Frau Schleifenbaum lebte.
  • Während Fiffi eine Foxterrierhündin ohne Stammbaum war, ist über den Stammvater Peter nur wenig bekannt. Es wird vermutet, er könnte ein französischer Griffon gewesen sein.

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